Die Brinell-Härteprüfung
Eine weitere bekannte Härteprüfung, das Brinell-Verfahren, besteht darin, während eines festgelegten Zeitraums von 10 - 30 Sekunden mit Hilfe einer Wolframkarbidkugel mit einem Durchmesser von 5 oder 10 mm eine konstante Last oder Kraft aufzubringen, in der Regel zwischen 500 und 3000 kgf. Diese Zeitspanne ist notwendig, um sicherzustellen, dass der Kunstofffluss des Metalls aufgehört hat. Bei speziellen Anwendungen werden zuweilen geringere Prüfkräfte und kleinere Kugeldurchmesser verwendet. Ähnlich wie beim Knoop- und Vickers-Verfahren wird beim Brinell-Verfahren nur eine einzige Prüfkraft aufgebracht. Nach Abnahme der Prüfkraft wird der daraus resultierende verbleibende runde Eindruck entlang den Diagonalen im rechten Winkel gemessen und in der Regel mit einem einfachen Mikroskop oder einem automatischen Messgerät in Millimetern erfasst.
Die eigentliche Brinell-Härte (BHN) wird durch das Verhältnis zwischen Eindruckgröße und Prüfkraft berechnet, wobei es nicht notwendig ist, die Rechnung für jede Prüfung tatsächlich durchzuführen. Die Berechnungen wurden bereits durchgeführt und stehen für die verschiedenen Kombinationen von Eindruckdurchmessern und Prüfkräften in Tabellenform zur Verfügung. Außerdem gibt es für diese Aufgaben verschiedene Geräte zum automatischen Ablesen der Brinell-Werte.
Das Brinell-Verfahren wird meist für die Prüfung von Aluminum- und Kupferlegierungen (mit geringeren Prüfkräften) sowie von Stahl und Gusseisen (mit höheren Prüfkräften) angewendet. Stark gehärteter Stahl und ähnliche Materialien werden normalerweise nicht mit dem Brinell-Verfahren geprüft; das Brinell-Verfahren ist jedoch für bestimmte Oberflächenausführungen besonders geeignet, da es auf Grund der Größe des Eindringkörpers und der hohen Prüfkraft toleranter in Bezug auf die Oberflächenbeschaffenheit des Prüfstücks ist. Brinell-Härteprüfmaschinen werden oft so konstruiert, dass sie große Prüfstücke wie Motorgussteile und Rohre mit großem Durchmesser aufnehmen können.